03.07.2026, Berlin | zns bvdp bvdn bdn

Termingarantie braucht Kapazitäten

PRESSEMITTEILUNG 

 

Termingarantie braucht Kapazitäten – Politik darf Mathematik nicht ignorieren

 

Die angekündigte Termingarantie für Facharzttermine verfolgt ein richtiges Ziel. Patientinnen und Patienten sollen schneller die medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigen. Dieses Ziel unterstützen wir ausdrücklich. Eine Garantie ersetzt jedoch keine Behandlungskapazitäten. Wer verbindliche Wartezeiten verspricht, muss gleichzeitig die Voraussetzungen schaffen, damit diese Termine überhaupt angeboten werden können.

 

Das ist vergleichbar mit einer Pünktlichkeitsgarantie bei der Bahn. Sie lässt sich politisch beschließen. Pünktliche Züge entstehen dadurch aber nicht. Dafür braucht es zusätzliche Gleise, mehr Züge, ausreichend Personal und eine verlässliche Finanzierung.

In der ambulanten Medizin gilt dieselbe Logik. Die Nachfrage nach fachärztlicher Versorgung steigt seit Jahren kontinuierlich. Das trifft ganz besonders auch für neurologische und psychische Krankheiten. Ursache sind der demografische Wandel, die Zunahme chronischer Erkrankungen und der medizinische Fortschritt, der heute vielen Menschen neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnet. Gleichzeitig werden durch die Krankenhausstrukturreform immer mehr Leistungen aus den Kliniken in den ambulanten Bereich verlagert. Diese Ambulantisierung ist grundsätzlich sinnvoll, erhöht aber zwangsläufig den Behandlungsbedarf in den Praxen – häufig sogar bei besonders komplexen Patientinnen und Patienten.

Hinzu kommen rückläufige Hausarztkapazitäten, zusätzliche Arztkontakte durch die geplanten Änderungen bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, eine Bedarfsplanung, die vielerorts nicht mehr den tatsächlichen Versorgungsbedarf abbildet, sowie eine weiterhin budgetierte Vergütung fachärztlicher Leistungen.

Vor diesem Hintergrund kann eine Termingarantie nur funktionieren, wenn die Politik gleichzeitig die Voraussetzungen für zusätzliche Versorgungskapazitäten schafft. Dazu gehören eine moderne und bedarfsgerechte Bedarfsplanung, der Abbau unnötiger Bürokratie, ausreichende Niederlassungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie eine Vergütungsgarantie für alle zusätzlich erbrachten Leistungen. Wer mehr Versorgung fordert, muss sie auch finanzieren.

 

Politik kann Erwartungen wecken.

Behandlungskapazitäten entstehen jedoch nicht durch politische Beschlüsse, sondern durch Ärztinnen und Ärzte, medizinische Fachangestellte, Zeit und eine verlässliche Finanzierung.

Mathematik lässt sich nicht politisch überlisten. Wer immer mehr Patientinnen und Patienten in ein unverändert großes Versorgungssystem lenkt, darf sich nicht wundern, wenn sich die Wartezeiten verlängern. Eine Termingarantie ohne zusätzliche Kapazitäten bleibt ein politisches Versprechen, das an den Realitäten der Versorgung scheitern muss.

 

 

Dr. Uwe Meier, 1. Vorsitzender BDN

Dr. Sabine Köhler, 1. Vorsitzende BVDP / BVDN

Dr. Klaus Gehring, 1. Vorsitzender BVDN

 

 

Berlin, 03. Juli 2026

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