13.04.2026, | bdn zns

DGN-Fortbildung Neurologie kompakt – in Kooperation mit dem BDN

Die Fortbildung „Neurologie kompakt“ in Lübeck-Travemünde ist seit Jahren ein Erfolgsformat der DGN-Fortbildungsakademie. Erstmals findet sie nun in Kooperation mit dem Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) statt. Wir sprachen mit dessen Vorsitzenden, Dr. Uwe Meier, über die Besonderheiten der Veranstaltung in Travemünde sowie über die Vorteile und Aktualität sektorenübergreifender Fortbildungskonzepte.

 

Herr Dr. Meier, was macht die Veranstaltung in Travemünde interessant für in der Versorgung tätige Neurologen und Neurologinnen?

Während der große DGN-Kongress eine unglaubliche Themenvielfalt und die Möglichkeit bietet, sich über den aktuellen Stand der Wissenschaft zu informieren, haben kleinere Fortbildungsveranstaltungen wie die in Travemünde den Vorteil, dass man sich auf einzelne Themen fokussieren und diese sehr vertieft und alltagsrelevant besprechen kann – im Austausch mit den Referierenden, aber auch mit den anderen Teilnehmenden. Dieser intensive interkollegiale Austausch in einer entspannten Atmosphäre, der neben der reinen Vermittlung von Studiendaten auch praktische Erfahrungen umfasst, ist der besondere Charme solcher kleineren Veranstaltungen. Die zweitägige Veranstaltung in Travemünde bietet ausreichend Zeit für intensive Diskussionen und Gespräche.

 

Neu ist im Programm ein betriebswirtschaftlicher Vortrag zum Thema „Wirtschaftliche Praxisführung – EBM und Versorgungsverträge“. Warum ist das relevant, vielleicht auch für Klinikneurologinnen und -neurologen?

Ich denke, gerade in diesen Zeiten ist das Thema besonders wichtig. Versorgungsleistungen werden komplexer und führen daher zu höheren Kosten. Bislang wird zwischen Wirtschaftlichkeit und guter Patientenversorgung immer ein Widerspruch gesehen. Fakt ist aber: Ohne ein wirtschaftliches bzw. betriebswirtschaftliches Verständnis können wir langfristig keine gute Versorgung sicherstellen. Das heißt, wir müssen lernen, wie man komplexen Patientensituationen gerecht wird und trotzdem wirtschaftlich bleibt. Diese Herausforderung begegnet uns in Klinik und Praxis gleichermaßen, letztlich kreist auch die Krankenhausstrukturreform genau um diesen Punkt. Und schon jetzt ist das Thema für klinisch tätige Neurologinnen und Neurologen durchaus relevant: An vielen Krankenhäusern sind MVZ angesiedelt und diese rechnen über den EBM ab. Das bedeutet, dass auch sie zunehmend mit diesem Abrechnungssystem vertraut sein müssen.

 

Die Themen der Veranstaltung sind breit gefächert. Ein Thema ist „PAIS & ME/CFS“. Wie relevant ist dieses in Klinik und Praxis?

Diese Erkrankungen nehmen mittlerweile einen großen Raum in der Versorgung ein, sind bisher aber in der Fortbildung eher unterrepräsentiert. Die Patientinnen und Patienten haben einen hohen Leidensdruck und fühlen sich oft nicht ernst genommen, manchmal auch stigmatisiert. Auf der anderen Seite fehlen Biomarker, was die Diagnostik erschwert, auch haben wir keine zufriedenstellenden therapeutischen Antworten. Diese Krankheiten aber zu psychiatrisieren oder zu psychologisieren, wird den Betroffenen nicht gerecht.

In dieser „Gemengelage“ ist die Begleitung der Patientinnen und Patienten extrem anspruchsvoll. Aber wir müssen uns dieser Aufgabe stellen, denn wir treiben sonst die Betroffenen in die Hände von unseriösen Gesundheitsanbietern. Es ist wichtig, dass wir den Umgang mit den Erkrankten und diesen Krankheiten lernen, das Wissen und unsere Erfahrungen dazu austauschen, um trotz großer Forschungslücken die bestmögliche Versorgung sicherzustellen. Ich denke, dass PAIS und ME/CFS in der heutigen Zeit auf die Agenda von neurologischen Fortbildungsveranstaltungen gehören und sie letztlich auch viele Neurologinnen und Neurologen zur Teilnahme bewegen werden.

 

Was sind aus Ihrer Sicht Vorteile von Fortbildungen, die sich über die Sektorengrenzen hinweg an alle in der Versorgung tätigen Neurologen und Neurologinnen richten?

Einige Krankheiten lassen sich nur in der Klinik behandeln, andere kommen kaum noch im Klinikalltag vor. Neurologinnen und Neurologen müssen aber das gesamte Spektrum beherrschen, erst recht in Zeiten, in denen die Sektoren näher zusammenrücken und zunehmend durchlässiger werden. Das Programm in Travemünde spiegelt daher den Versorgungsalltag aller Neurologinnen und Neurologen wider.

Außerdem haben Veranstaltungen, die sich an klinisch und ambulant tätige Neurologinnen und Neurologen richten, den schönen Nebeneffekt, dass sie auch die „Sektorengrenze in den Köpfen“ abbauen. Man lernt sich kennen, man lernt, sich gegenseitig zu verstehen, man baut mögliches Misstrauen ab und sieht sich als Partner in der Versorgung – und das legt oft den Grundstein für wichtige Kooperationen, wie beispielsweise Weiterbildungsverbünde. Veranstaltungen wie die in Travemünde bieten ein Forum für Gespräche und für den intersektoralen Austausch. Ich hoffe daher, dass viele Interessierte teilnehmen werden!

 

 

Termin-Hinweis

DGN-Fortbildung „Neurologie kompakt“ – in Kooperation mit dem BDN, 8. – 9. Mai 2026

Weitere Informationen und Anmeldung: https://www.dgn.org/event/dgn-fortbildung-neurologie-kompakt-in-lubeck-travemunde